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Die Bruderschaft - Wissenswertes
Geschrieben von: NGZ-Online   
Donnerstag, den 16. Juni 2011 um 00:00 Uhr
darstellung sebastianus

Eine Darstellung des heiligen Sebastian.

 

Von Manfred Becker-Huberti

Im Jahr 1731 stickten die Angehörigen der Pfarrei Schliersee eine Pestfahne. Auf der einen Seite, umrahmt von einem Zweigeornament, stand die – in zeitgenössischer Orthographie zitierte – Bitte an den heiligen Sebastian: "O Heiliger Sebastian vor All bereith 100 Jahrn Hat Schlierßee dein Hilff erfahren da Hunger Krieg und sterben die Gegent wolt verderben aufs Ney wür unß darstellen Zum schutzhern dich Erwehlen Krieg Hunger und Pest wende hindan o Heiliger Sebastian". Auf der anderen Seite zeigte sich der Heilige als kämpferischer Soldat, der mit einem Schild niederzuckende Blitze, die Pest, Hunger und Krieg darstellen, abwehrt.

Am 20. Januar gedenkt die lateinische Kirche des heiligen Sebastian, heute vielen bekannt als Patron von Schützenbruderschaften und von Feuerwehren. Populär ist seine Darstellung als fast nackter, schöner Jüngling, der gefesselt vor einem Baum steht und von Pfeilen durchbohrt wird. Diese Darstellungsform ist eine typische Modeerscheinung, und die Pfeile haben eine kaum bekannte Doppelbedeutung.

Über Sebastianus liegen nur äußerst spärliche historische Nachrichten vor. Aus Mailand gebürtig, soll er in Rom als Märtyrer gestorben sein. Im Jahr 354 wird als Bestattungsort "in catacumbas" genannt, die Katakomben an der Via Appia. Die schlichte Grabstätte lässt auf einen Tod in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts schließen. In der Legende des hl. Sebastian, die wohl erst in der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts entstanden ist, erscheint Sebastian als Offizier der kaiserlichen Garde, der Prätorianer, einer gefürchteten Elitetruppe. Als Christ soll Sebastian auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilschüssen exekutiert werden, überlebt aber schwer verletzt und wird gesund gepflegt.

Wegen erneuter freimütiger Aussagen vor dem Kaiser wird Sebastian mit Keulen erschlagen und in die "cloaca maxima" geworfen. Christen finden seine Leiche und bestatten sie. Am Grab des Sebastian entwickelte sich ein örtlicher Kult, der bald eine Vergrößerung der Grabstelle erforderte, dann zu einer Kirche über der Grabstelle und schließlich zu einem Kloster führte.

Seit dem 4. Jahrhundert breitete sich der Sabastianus-Kult über Italien, Afrika, Spanien, Frankreich und Deutschland aus. Als bekannt wird, dass 680 die Anrufung des heiligen Sebastian bei einer Pestepedemie in Rom geholfen hat, wird er zu einem der populärsten Heiligen überhaupt: Pestheiliger (neben Antonius und Rochus) und einer der Vierzehn Nothelfer. Die Pestepedemien seit dem 14. Jahrhundert gaben der Sebastianus-Verehrung neuen Auftrieb.

Die ältesten Darstellungen Sebastians in der Caecilia-Gruft der Calixtus-Katakombe zeigen ihn noch ohne individuelle Merkmale; dargestellt wird er zwischen dem hl. Policamus und dem hl. Quirinus. Ab dem 7. Jahrhundert wird Sebastian als Soldat porträtiert, meist vor einem Baum (= Lebensbaum!) stehend, von Pfeilen durchbohrt. Seit der Renaissance liebt man es, den Heiligen als schönen jungen (fast) Nackten vorzustellen.

Die Pfeile des hl. Sebastian wurden von den mittelalterlichen Menschen aber nicht bloß als normale Pfeile gesehen. Sie waren Symbole der Pest und erwiesen Sebastian als Pestheiligen. Die Pestpfeile sind in Ausdeutung des Psalms 91,5-6 entstanden: "Du brauchst dich vor den Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag". Sebastian wurde zum Patron zahlreicher Bruderschaften zur Pflege und Bestattung Pestkranker gewählt, außerdem zum Patron der Soldaten, Jäger, Schützen, Feuerwehrleute, Zinngießer, Steinmetze, Gärtner usw. Früher wurde sein Festtag mit Wallfahrt und geistlichem Schauspiel verbunden. Sebastianuspfeile wurden gegen die Pest und andere Epedemien getragen. An seinem Festtag trank man die Sebastianusminne und verteilte Sebastianusbrote. Weil von Steffl (= Stephanus, 26. Dezember) bis Bastl, dem Gedenktag des hl. Sebastian am 20. Januar, das Kletzenbrot reichen musste, buk man es in großen Mengen und verspeiste die Reste an diesem Tag. Nach alter Ansicht schoss an diesem Tag der Saft in Bäume, weshalb es verboten war, von diesem Tag an Bäume zu beschneiden.

In weiten Bereichen des christlichen Abendlandes, vor allem aber in Italien, Deutschland und Frankreich, entstanden Sebastianus-Bruderschaften zur Pflege und Bestattung von Pestkranken, zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und zur "Gebetsabwehr" dieser und anderer Seuchen und zur Durchführung von Pestprozessionen. Der Heilige wurde auch bei Verwundungen angerufen und gegen Viehseuchen. Seine Rolle als bekenntnismutiger Offizier brachte es mit sich, dass die Kreuzritter und Zinngießer, vor allem aber die Schützengilden und Schützenkorps ("Sebastianusbrüder"), Sebastian zum Patron wählten.

Die ältesten Sebastianusbruderschaften sind für das Jahr 1300 für Brüssel, Randerath und Nettesheim belegt. Reliquien Sebastians – ein Oberarm schenkte Papst Innocenz IV. – befinden sich seit 1250 im Franziskaner-Kloster Hagenau/Elsass sowie angeblich im Kloster Ebersberg/Oberbayern. Das Haupt des heiligen Sebastian wird in einem Reliquiar aus dem 7. Jahrhundert in SS. Quattro Coronati in Rom aufbewahrt. In Rom, Echternach und andernorts zeigte man so genannte Sebastianuspfeile, die angeblich vom Martyrium des Heiligen stammten.

Quelle: NGZ
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 14. März 2014 um 11:20 Uhr
 
 

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