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Bruderschaft

Schützenzüge

Die Historie der Bruderschaften Drucken E-Mail
Geschrieben von: Karl-Anton Ritz   
Sonntag, den 31. Dezember 2000 um 06:00 Uhr

Die Anfänge

Die heute selbständigen Bruderschaften der Pfarrgemeinde St. Martinus Nettesheim, Anstel, Frixheim und Nettesheim-Butzheim haben ihren Ursprung in der St. Sebastianus Bruderschaft Nettesheim 1300. Dieses festgesetzte Gründungsjahr ist als realistisch anzusehen, denn eine Urkunde besagt, daß im Jahr 1296 ein Prozeß zwischen dem Helfen von Sinsteden und der Bruderschaft Nettesheim um 3 Morgen Land (im Hoeninger Bruch) geführt worden ist, der zugunsten der Bruderschaft entschieden wurde. Somit ist die Schützenbruderschaft Nettesheim nicht nur die älteste Vereinigung in der Gemeinde Rommerskirchen, sondern auch eine der ältesten Bruderschaften im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften Köln e.V. Nach Dr.Theodor Reintges, Köln, sind solche Vereinigungen als Pestbruderschaften zum Schutz und zur gegenseitigem Hilfe bei Katastrophen und Epidemien in jener Zeit entstanden. Die Gründung im Kirchspiel Nettesheim dürfte aus oben diesen Gründen auch erfolgt sein.

Die erste Blütezeit

Viele Jahrzehnte später pflegte die Bruderschaft das religiöse Leben in der Pfarrei, widmete sich dem Armenwesen und trug zur Ausweitung der Gottesdienste durch z.B. die Finanzierung von Kaplänen bei. Zugleich wurde das gesellige Leben in dem Kirchspiel mit den Dörfern Anstel, Butzheim, Frixheim und Nettesheim gefördert. Durch Wettschießen wurde alljährlich der Wunschtraum eines jeden Bürgers erfüllt, nämlich für ein Jahr König statt Bauer zu sein. Das Schießen um die Königswürde wurde alljährlich am Fronleichnamstag durchgeführt, im Jahre 1727 auf den dritten und später auf den zweiten Pfingsttag verlegt, damit die kirchliche Feier nicht durch ausgelassene Fröhlichkeit der Mitglieder beeinträchtigt werde. Das Königsschiessen war der Höhepunkt des Bruderschaftsleben. Die ersten Schüsse wurden im Namen des Landesherren, also des Erzbischofs von Köln und seines obersten Beamten der Gillbachgegend, des Vogten zu Hülchrath, abgegeben. Danach wurde die Reihenfolge der Schützen ausgelost. Im Jahre 1654 war in den Bruderschaftsstatuten bestimmt worden, daß der Bruderschaftskönig in seinem Königsjahr von allen Leibes- und Pferdediensten befreit sei, zu denen alle Bewohner des Kirchspiels Nettesheim verpflichtet waren. Als Gegenleistung hatte der König 2 Ahm Bier (z ca. 300 ltr.), für einen halben Reichstaler Weizenbrot und ein kleines silbernes Schildchen mit seinem Namen zu stiften. Im Jahr 1752 wurde der Vogel durch den Herrn von Anstel, der in Begleitung eines Kammerherrn des Kurfürsten Clemens August erschien, im Namen des Erzbischofs Clemens August I. abgeschossen, der sich zwei Jahre früher, also 1750, als Bruderschaftsmitglied hatte eintragen lassen.

Franzosen und Neubeginn

Mit dem Einmarsch der Franzosen wurde die Bruderschaft 1794 aufgelöst und 1816 feierlich mit dem Vogelschießen am Pfingstmontag erneuert. Von 1836 bis 1848 ruhte der Verein aus Gründen eines Streites u.a. Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung und wegen Querelen um das Vogelschießen, denn das Landratsamt verlangte die Gründung einer Schützengesellschaft, die streng von der Kirche getrennt sein müsse. Nach Bereinigung aller Probleme lebte die Bruderschaft im Jahre 1849 wieder auf; in der Ruhezeit sind 31 Bürger als Mitglieder treu geblieben und es wurden 102 "Brüder" neu aufgenommen in die Bruderschaft. Ebenfalls wurden neue Statuten erstellt, die das Datum Pfingstmontag, den 28.Mai 1849 tragen. Als Höhepunkte im Bruderschaftsleben wurden die Fronleichnamsprozession und das Vogelschießen klar herausgestellt. Die Kirmenfeierlichkeiten, die von der gesamten Dorfgemeinschaft getragen wurden, wurden ab 1879 von dem neugegründeten Schützenverein "Schützenlust' organisiert. Die Bruderschaft, die 1851 ein 'Schützencorps' innerhalb der Bruderschaft eingerichtet hatte, beteiligte sich mit diesem Schützencorps an den alljährlichen Schützenfestfeierlichkeiten. Der erste Schützenkönig des Vereins 'Schützenlust' war im Jahr 1879 Friedrich Düster aus Butzheim, der als Friedrich I. die Orte Butzheim und Nettesheim regierte.

Schlechte Zeiten

Im ersten Weltkrieg wurde das Bruderschaftsleben unterbrochen und die Aktivitäten lebten 1920 wieder auf trotz Behinderungen durch die belgische und später durch die britische Besatzungsmacht. Die Mitgliederzahl sank 1925 auf 40 'Brüder" ab. In den folgenden Jahren erlahmte das Vereinsleben mehr und mehr; Protokolle beschränken sich auf die Wahlen zu den Ehrenämtern, von denen 1942 letztmalig berichtet wird in dem Archiv der Pfarrgemeinde St. Martinus. Der zweite Weltkrieg und politischer Druck führten zur Unterbrechung der Tätigkeiten.

Die Neugründung

Noch dem zweiten Weltkrieg nutzte der damalige Pfarrer an St.Martinus Josef Zander die Gunst der Stunde und reaktivierte die Bruderschaft, die fortan den Namen St. Sebastianus Schützenbruderschaft Nettesheim 1300 trug und für die Ausrichtung des jährlichen Schützenfestes verantwortlich zeichnete, denn die drei Schützenvereine in den Ortschaften Anstel, Frixheim und Nettesheim - Butzheim durften wegen besatzungsrechtlichen Vorschriften nicht wieder aufleben und mußten aufgelöst werden. Schon 1946 wurde das erste Schützenfest gefeiert. Als König Josef I. fungierte der Präses und Pfarrer Josef Zander; in einer süddeutschen Zeitung konnte man damals lesen: "ln Nettesheim, in der Nähe von Köln, hat man immer noch nicht die Nase voll, da hat man die Vergangenheit noch nicht bewältigt, da wird wieder Krieg gespielt!". Ab 1949 teilte sich die Schützenbruderschaft Nettesheim auf in die drei Sektionen Anstel, Frixheim und Nettesheim-Butzheim. Jede Sektion feierte von nun an ihr eigenes Schützenfest. Bis auf den heutigen Tag hat die Sektion Nettesheim-Butzheim den Termin zweites Wochenende im September für das Schützen- und Heimatfest beibehalten. Im Jahr 1950 hatte die Sektion Nettesheim-Butzheim 213 Mitglieder und als Brudermeister (Präsident) fungierte Peter Schlaf.

650 Jahre plus vier

Mit vierjähriger Verspätung wurde vom 29.Mai bis zum 31.Mai 1954 unter dem Schirmherrn Baron Geyer von Schweppenburg aus Hackenbroich, Bundesmeister des Bezirksverbandes Nettesheim, das 650jährige Jubelfest unter Beteiligung aller drei Sektionen gefeiert. Als Gesamtpräsident fungierte der Nettesheim-Butzheimer Brudermeister Peter Schlaf; Jubelkönig wer der Butzheimer Geschäftsführer Matthias Ripphahn, weil niemand der drei Sektionskönige dieses Amt übernehmen wollte. Beim feierlichen Lavitenamt in der Pfarrkirche hielt die Festpredigt der aus Leverkusen angereiste Generalpräses Geistliche Rat Dr. Peter Louis.

Das Kriegerdenkmal

Nach dem Jubelfest löste Josef Schmitz aus Nettesheim Peter Schlaf als Brudermeister ab. Seine erste Hauptaufgabe bestand darin, für den Bereich der Sektion Nettesheim-Butzheim ein Kriegerdenkmal zu schaffen. Durch verschiedene Aktionen, u.a. durch monatliche Hausammlungen, konnten die Finanzmittel aufgebracht werden. Am 26.April 1959 konnte das heutige Ehrenmal unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht und in die Obhut der Gemeinde Rommerskirchen übergeben werden.

Der Bezirksverband

Dem heutigen Bezirksverbund Nettesheim, im Jahre 1947 von Pfarrer Josef Zander als Bezirksverband Grevenbroich wiedergegründet, gehörte die Sektion bis zum 20.06.1961 an; an diesem Tag trat Nettesheim-Butzheim aus dem Bezirksverband aus. Mit Schreiben vom 24.11.1963 teilte der damalige Geschäftsführer Konrad Granrath dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften den Wiedereintritt in den Bezirksverband per 18.11.1963 mit. Im Jahre 1965 wurde der amtierende König Paul Schmitz als erster König von Nettesheim-Butzheim Bezirkskönig des Bezirksverbandes Nettesheim. Ihm folgten 1979 Hans-Heinrich Bongartz, 1962 Karl-Anton Ritz, 1990 Helmut Klein und 1991 Klaus Bräuer.

675 Jahre plus eins

Vom 30.April bis zum 02.Mai 1976 konnte mit einjähriger Verspätung zusammen mit den Sektionen Anstel und Frixheim das 675jährige Jubelfest der Gesamtbruderschaft in Eintracht und Harmonie gefeiert werden. Das große Festzelt stand wie 1954 zwischen Nettesheim und Frixheim gegenüber der Grundschule; Gesamtpräsident war Josef Schmitz aus Nettesheim, dem der Schriftführer Josef Oberlack aus Anstel und Hans Peters aus Frixheim als Geschäftsführer zur Seite standen. Als Jubelkönig fungierten die drei amtierenden Königspaare der einzelnen Sektionen: Hans-Willi Klefisch und Brigitte aus Anstel. Egmontt Kern und Trudi aus Frixheim sowie Willi Schlaf und Heide aus Nettesheim-Butzheim. Ebenfalls wurde in diesem Zeitraum eine gründliche Neuordnung der Jungschützen vorgenommen und der erste Jungschützenmeister von der Schützenjugend gewählt; das Grundgesetz des Bundes der St.Sebastianus-Schützenjugend wurde übernommen.

Die 80er Jahre

Da die früheren Statuten nicht mehr zeitgemäß waren, hielt sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Bruderschaft Nettesheim-Butzheim an die Mustersatzung des Bundes. Erst im Jahre 1983 wurde auf der Jahreshauptversammlung im März eine neue Satzung für die Sektion beschlossen und in Kraft gesetzt. 1979 wurde das 25jährige Präsidentenjubiläum von Josef Schmitz begangen; die Ära Josef Schmitz und seines Geschäftsführers Karl-Anton Ritz endete am 20.10, 1984; an diesem Tag wurden Friedrich Hinsen zum Brudermeister und Hans-Robert Schnabel zum Geschäftsführer gewählt. Zuvor war jedoch Josef Schmitz in einer eindrucksvollen Feierstunde verabschiedet worden. Im Festjahr 1987/88 beteiligte sich die Bruderschaft an der 1000-Jahr-Feier von Butzheim; hervorzuheben ist hier der historische Festzug am Pfingstsonntag des Jahres 1988, an dem alle Königspaare aus der weiteren Umgebung teilnahmen. In diesem Zeitraum wurde auch seitens des Vorstandes das Schützenbiwak eingeführt, das von den Bruderschaftsmitgliedern und der Bevölkerung angenommen worden ist. Die steigenden Schützenfestkosten sollten hierdurch aufgefangen werden, was auch gelang. Auf der letzten Versammlung im Jahre 1997 wurde beschlossen, dieses Biwak vorläufig auszusetzen.

In letzter Zeit

Im Jahre 1995 konnte das 50. Schützen- und Heimatfest noch dem zweiten Weltkrieg gefeiert werden; Schützenkönigspaar waren Ewald und Maria Orth aus Nettesheim. Im Mai 1997 wurde im zweiten Anlauf eine neue Satzung verabschiedet und der Vorstand beauftragt, die Bruderschaft unter dem Namen St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Nettesheim 1300 Sektion Nettesheim-Butzheim e.V. als eingetragenen Verein eintragen zu lassen; aus haftungsrechtlichen Gründen schien dies den Mitgliedern angebracht. Ebenfalls soll beim Finanzamt die Gemeinnützigkeit beantragt werden.

Die Leitsätze

Die Bruderschaft ist eine Vereinigung von christlichen Männern, die sich zu den Grundsätzen und Zielen des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften Köln e.V. bekennen. Sie ist Mitglied dieses Bundes und seiner Unterorganisationen, dessen Statuten und Rahmensetzungen für sie in ihrer jeweiligen Fassung verbindlich sind. Der Leitspruch der Bruderschaft lautet: "Aus alter Wurzel neue Kraft für Glaube, Sitte und Heimat." Zur Verwirklichung dieses Leitsatzes stellt sich die Bruderschaft folgende Aufgaben: Bekenntnis des Glaubens durch Förderung der Religion, u.a. durch aktive Teilnahme am religiösem Leben innerhalb der Kirchengemeinde, Schutz der Sitte durch Eintreten für christliche Kultur und Förderung der Kultur, Liebe zur Heimat durch Pflege dar geschichtlichen Überlieferung und des althergebrachten Brauchtums durch Förderung des Nachwuchses, der Schützenjugend, des Schießsports und des Fahnenschwenkens. Ebenfalls ist die Ausrichtung des Schützen- und Heimatfestes in Nettesheim-Butzheim eine der Hauptaufgaben.

Die Organisation

Obersten Organ der Bruderschaft ist die Mitgliederversammlung, die einen Vorstand für die Dauer von 4 Jahren wählt; der Gesamtvorstand besteht aus 12 Personen sowie dem Präses der Bruderschaft. Der geschäftsführende Vorstand besteht zur Zeit aus dem Brudermeister Friedrich Hinsen, seinem Vertreter Hans-Heinrich Bongartz, dem Geschäftsführer Hans-Robert Schnabel und dem Schriftführer Klaus Bräuer. Das Regiment der Bruderschaft setzt sich z.Zt, aus insgesamt 26 Schützenzügen (Fahnenkompanien, Pionieren, Husaren, Grenadieren und Jäger, Jungschützen und Artillerie) und dem Tambourcorps zusammen, 255 männliche Personen sowie 58 Jungschützen im Alter von 6-14 Jahren sind aktiv mit der Bruderschaft verbunden; ebenfalls zählen 76 Passive zu den Mitgliedern. Wenn man davon ausgeht, daß Nettesheim-Butzheim insgesamt 970 männliche Einwohner hat, so sind mehr als 40 % davon Mitglied der örtlichen Bruderschaft; eine Zahl, auf die der Verein Stolz sein kann. Natürlich ist jeder Christ zum Mittun eingeladen zum Wohl der örtlichen Gemeinschaft.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 29. Juli 2007 um 16:06 Uhr
 
 

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