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Friedenserziehung fängt im Kindergarten an Drucken E-Mail
Presseberichte - 2001
Geschrieben von: NGZ   
Montag, den 19. November 2001 um 02:00 Uhr

Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages
"Friedenserziehung fängt im Kindergarten an"

Zum zweiten Mal fungierte Sonntag Vormittag die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Nettesheim-Butzheim als Gastgeber der Veranstaltung zum Volkstrauertag. Am Ehrenmal in der Ortsmitte hatten sich zahlreiche Lokalpolitiker und Vertreter der örtlichen Vereine eingefunden, während der musikalische Part der Zeremonie vom Bundes-Tambourcorps Amicitia, dem Nettesheimer Quartettverein und den Eckumer Hobb-Musikanten bestritten wurde.

Die Toten der Kriege und der Gewaltherrschaft bezeichnete Bürgermeister Albert Glöckner als "Tote , die nicht hätten sein müssen." Dennoch müssten wir gerade heute wieder, "mit Entsetzen feststellen, dass andere bereit sind, Tod und Unglück in unser Leben zu tragen, um mit blanker Gewalt ihre Vorstellungen von einer Weltordnung durchzusetzen." Damit meinte er die Terroristengruppe um Osamar bin Laden. Glöckner zufolge "haben wir die Pflicht, zu verhindern, dass sich solche Tragödien wiederholen" Erziehung zum Frieden beginne bereits im Kindergarten und der Schule, wo "Respekt und Toleranz" gelehrt und "blinder Eifer und die Bereitschaft zur Gewalt" gebrandmarkt werden sollten.

Hinzu komme "in diesen Tagen" aber auch die Bereitschaft, "die Gefahren für den Frieden auch mit Waffengewalt abzuwehren." Glöckner ist sicher: "Das wäre der Wunsch unserer Toten am Volkstrauertag." Johannes Fünger, Brudermeister der St. Sebastianus-Schützen erinnerte zunächst an die wechselvolle Geschichte des Gedenktages, der 1926 erstmals vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges begangen, später dann von den Nazis zum "Heldengedenktag" umfunktioniert wurde und in seiner heutigen Form auf das Jahr 1952 zurückgeht. Leitmotiv von Füngers Gedenkrede war die Frage, wie der seit Jahrzehnten alljährlich erneuerte Appell zum Frieden für unser heutiges Leben genutzt werden könne, gehe es doch bei derartigen Gedenkveranstaltungen "nicht primär um die Vergangenheit."

Die "realistische Konsequenz" der Terroranschläge vom 11. September formulierte der Redner wie folgt: "Der Friede unter den Menschen ist immer bedroht. Immer neu entstehen unter Regierungen, Rebellengruppen und Einzelnen die Gefahr und die Neigung, ungelöste soziale, ethnische, nationale oder religiöse Konflikte mit Waffen lösen zu wollen." Die Fähigkeit, Geschichtsbewusstsein zu entwickeln, mache den Menschen erst zum Menschen, sagte Johannes Fünger. Auf die daraus resultierende Frage nach den "Ergebnissen und Konsequenzen" dieser Fähigkeit gebe es "leider keine einfache Antwort." Die Fragwürdigkeit "gerechter Kriege" thematisierte der Gedenkredner angesichts der "Katastrophen des letzten Jahrhunderts" ebenso wie die Illusion von einem "sauberen Krieg", sei doch "die Zeit der fairen Ritterspiele vorbei."

Ungeachtet der Erfahrungen der "friedlichen Revolution im Osten unseres" Landes, sah der Präsident der örtlichen Schützen jedoch im "totalen Pazifismus" keine Antwort auf die Frage, was angesichts der terroristischen Bedrohung getan werden müsse - eine These , die er mit dem Hinweis auf die gewaltsame Beseitigung des NS-Regimes begründete, die "wohl nicht ungerechtfertigter Weise" erfolgt sei. Bei aller Verschiedenheit der Standpunkte gebe es indes "für jedermann gültige, unverrückbare Tatsachen des Menschseins", sagte Johannes Fünger. Als "ein zur Verantwortung fähiges und verpflichtetes Wesen" gelte es für jeden einzelnen Menschen "die Lehren aus unserer Geschichte zu ziehen - also dem Nationalismus - und dem Rassenwahn, Klassenwahn und religiösen Fundamentalismus in unserem Einflussbereich keine Chance zu geben."

Fünger weiter: "Wir sind verantwortlich für den Frieden und die Freiheit, in der wir leben." Die Wahrnehmung dieser Verantwortung beginne "im Kleinen", in der Familie, der Erziehung und im Beruf ebenso wie auch in der Kommunalpolitik und in der Gesellschaft. Der Volkstrauertag sei folglich "der Appell an uns alle, an jeden Einzelnen, sich der Verantwortung für dauerhaften Frieden in Freiheit und Demokratie zu stellen und dieser gerecht zu werden" - ein Appell, der Fünger zufolge wohl "niemals aktueller gewesen" sei, "als in diesem Jahr". S.M.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. Januar 2009 um 12:42 Uhr
 
 

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